Claudia Schuster

Ego Anhänger - Kooperationsarbeit mit Sabine Braunfisch

Anhänger, ca. 62 x 8 mm, Silber, Feinsilber, Stahl, Colorit

Als die Ausschreibung zur Ausstellung kam gab es bei uns zwei unterschiedliche Reaktionen:
Claudia Schuster: Mir schwebte direkt eine bestimmte Form von Anhängern vor Augen.
Sabine Braunfisch: Ich fühlte mich zuerst nicht angesprochen. Es kommt bei mir selten vor, dass ein Stück an einem Tag fertig wird. Ich könnte mich natürlich darauf einlassen und unter Umständen ein unfertiges Stück abgeben. Ich
meldete mich an und ließ es sacken…                                                                                 Dann kam unser gemeinsamer Besuch der documenta fifteen. Wir waren beeindruckt von dem Kollektivgedanken und der gemeinsamen Arbeit an einem Stück und fragten uns, wie es wäre, ein gemeinsames Schmuckstück abzugeben. Wie würden wir so etwas angehen?
Wäre es ein Stück oder sollten wir vielleicht an zwei Stücken parallel arbeiten? Wollten wir cokreativ oder intervenierend arbeiten? Wollten wir einen Plan verfolgen oder mit einem „weißen Blatt“ beginnen?
Über diese Gedanken rückte der Abgabetermin näher und uns fiel auf, dass wir nur noch einen gemeinsamen Tag hatten, um unser Experiment umzusetzen. Also los!

Wir trafen uns also mit der Aufgabenstellung, jede Stunde das Werkzeug „fallen zu lassen“ und die Werkstücke zu tauschen. Wir sprachen über unsere Ideen, waren aber nicht verpflichtet, sie fortzusetzen. Jetzt galt es, sich neu einzulassen.
Wir versuchten, so frei wie möglich mit den Gegebenheiten umzugehen, bemerkten aber auch die inneren Schranken. Kann ich ein Stück aufrollen, obwohl es flach angedacht war? Darf ich ein Loch in eine Fläche bohren, um eine Öse durchzuziehen? Wenn ich jetzt die Richtung ändere, was macht die Andere damit? Kehrt sie zu ihrem Plan zurück oder kann sie damit weitergehen? Am auffälligsten fanden wir aber, wie wir von egoistischen Gedanken beschränkt wurden. Unsere scheinbar offene Haltung wurde permanent durch das eigene Ego sabotiert. Wir bemerkten, dass die Bestrebung zeitweise insgeheim dahin ging, die eigene Idee durchzusetzen, statt mit dem Konstruktiven weiterzugehen. Ein aufschlussreiches und spannendes Wechselspiel zwischen dem kleinen,
gefangenen Ego und der freien, utopischen Idee, von der wir weiter entfernt sind, als wir gedacht hatten! Was ist wichtiger: das Ergebnis oder der Prozess?
Es waren sechs intensive Stunden, in denen zwei Schmuckstücke entstanden, die als Experiment und als greifbares Ergebnis für ein permanentes Umdenken und ein größtmögliches Einlassen auf einen gegenwärtigen Zustand stehen. Die dabei aufgekommenen Fragen sind noch nicht beantwortet. Gut möglich, dass es weitere Projekte geben wird, in denen wir Antworten suchen…
Wir haben beide Stücke mit unseren beiden Punzen gestempelt und geben sie unter unseren beiden Namen ab.

Katja Kempe

Anhänger/Kette, Ag 925, Horn

Ein Schiff als Symbol für Nächstenliebe und Menschlichkeit. Viele Tausend Menschen ertrinken jährlich im Mittelmeer. Sie fliehen aus dem Nahen und Mittleren Osten, aus der Subsahara Afrikas sowie Nordafrika. Menschen, die wegen Gewalt, politischer Instabilität, Verletzung ihrer Menschenrechte , Klimakatastrophen
und fehlender Existenzgrundlagen die Flucht über das tödliche Mittelmeer wagen, voller Hoffnung auf ein neues Leben. Zivile, gemeinnützige Initiativen,
Vereine und Organisationen, haben Schiffe gekauft und retten auch jetzt gerade die Menschen und die Hoffnung!

Ursula Woerner

Umwertung der Werte

Kette, 37 x 10 cm, Ag 925, beach glass, Kieselstein, Onyxsperlen

Dieses Schmuckstück ist entstanden aus einem Fundstück der Natur und einem menschlichen Überrest in der Natur. Glattgeschliffen und mattiert durch Sand und das Meer hat sich das ‚beach glass‘ aufgewertet zum gefassten Schmuckstücksstein. Edel und Unedel kombiniert durch eine fließende Linie, die beflügelt.

Andreas Wieneke

Halsschmuck/Armreif, Kunststoff, Fundobjekte, Papier

. . . das Thema schwirrt seit Tagen in meinem Kopf herum. Eines Morgens endlich eine Idee. Ich weiß der Rhein hat Tiefstand. Oh, ein Schmuckstück mit Fundsachen wollte ich immer schon mal machen.
Also auf in Richtung Fluss. Als notorischer Langschläfer mache ich mich
ungewöhnlich früh auf den Weg. Das Leben in der Südstadt beginnt gerade. In den Cafés werden die Stühle rausgestellt. Es sind erst wenige Menschen unterwegs. Ich mache Fotos hier und da – finde eine Muschel, einen Stein, eine Glasscherbe, Treibholz. Für mich als Sammler eigentlich nichts Ungewöhnliches.
Auf dem Rückweg mache ich einen Stopp um zu frühstücken, die Stühle im Café stehen ja schon parat. Ich betrachte meine Fundstücke, fühle mich plötzlich wie im Urlaub.
Im Atelier angekommen, denke ich: bitte heute keine Kunden. Sie scheinen mich
erhört zu haben. Aus den gefundenen Schätzen, so wie sie sind, entsteht ein
Halsschmuck.
Die Fotos der Fundorte und vom Weg zu ihnen zieren die Innen- und Außenseite
eines Armreifs. Am Abend ist alles getan.

Anemone Tontsch

Ring, Papier, Schmuckdraht

Morgens, wenn der Tag noch grau ist, schaltet sich oft schon Früh mein Hirn ein, es tosen alle möglichen Gedanken-Wirbel durch meinen Kopf, frei und
ungestüm. Noch gibt es kein Sollen und Müssen, wie schön wäre es so in den Tag zu springen, mit Wind unter den Flügeln, ohne Begrenzung!
Ganz allmählich, antrainiert, werden die Gedanken strukturierter, ich versuche die Fetzen einzufangen, Pläne zeichnen sich ab, der Tag ruft.
Ach wäre es schön, wenn sich alles so leicht und frei weiterdrehen könnte.
So sind meine morgendlichen Winde!

Annette Wackermann-Grahl

Düne 45

Anhänger/Kette, 5,2 x 5,2 cm (Quadrat ohne Kette), Ag 925, Aluminium, Sand, Hämatit

Die Kette entstand in Erinnerung an die Düne 45 im Sossusvlei-Gebiet in der Namib in Namibia. Der verwendete Sand stammt von der Düne und wartete lange auf eine entsprechende Umsetzung. Der Hämatit erinnert an die abgestorbenen Bäume ringherum um die Düne

Nicole Unterseh

Fenster, klein

Halsschmuck, 7 x 7 cm, Stahlfaden  mit Kunststoff ummantelt, Ag 925

Ich würde gerne…
• Einfach mal in eine Silberplatte
reinsägen – und schauen, was
geht.
• Einfach mal die Flamme drauf
halten – und schauen, was
passiert.
• Einfach mal ‚tragbar‘ machen
mit Ösen und Draht – und
schauen…

Christiane Theise

Brosche, 70 x 70 x 3 mm, Kunststoff, Neusilber, Stahl, Ag 925, Feingold

Die Idee war: Nach einer Naturstudie – Zeichnung von mir mit Bleistift und Farbstift – angefertigt. Die Zeichnung stellt den Samen eines urzeitlichen Nadelbaumes dar. (Australien aus dem botanischen Garten Ponta Delgada)

Entwurf und Umsetzung waren lange unklar, dann habe ich GETRÄUMT, wie ich es machen werde – alles – bis auf die Nieten. …es müsste öfter so gehen.

Julia Stotz-Holstein

Beifang

Anhänger/Kette, recyceltes Aluminium

Bei diesem Stück war es in der Tat so, dass ich mich sofort abends an die Arbeit gemacht habe….
Der Impuls zu diesem Stück ergab sich aus einem morgendlichen Radiobericht über die Überfischung der Meere und
der zu kleinen Fische etc. , welche nicht der Norm entsprechen.

Sabine Störring

Aus der Knopfkiste

Brosche, 9 x 10 cm, Messing, Silber, Knöpfe

Da die Zeitspanne für die Entstehung des Kunstwerkes „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“ umfasst, habe ich mein Schmuckarchiv durchstöbert.

Dort fand ich eine Brosche aus Messing, die ich in den 1990-er Jahren gesägt, gebohrt und mit Doppelnadel versehen habe.                                                                                     Da ich als Textilgestalterin einen großen Vorrat an Knöpfen habe, kam mir die Idee, die Löcher in der Brosche zur Verdrahtung mit Silberknöpfen zu nutzen.