"Ana" von Maria Fremmer
Kette – Silber, Ebenholz, Perlen
Dunkel schimmernd war ihr Blick
so wie die Erde, die sie einst
mit ihren Händen pflügte,
und deren Ernte ihr und ihren Liebsten mehr – als nur genügte.
Augen groß und offen
im schmal gezeichneten Gesicht. Verbergen konnten sie
den großen Kummer nicht.
Und doch – der Schalk
in Anas Wesen war durch Leid
nicht gänzlich zu besiegen.
Er blitzte immer wieder auf
und ließ ihr Lächeln auch
durch unsre Tage fliegen.
Ein mutiges, ein großes Herz,
erfüllt von einer Liebe,
die sich gewandelt hatte durch Vertust in Traurigkeit und Schmerz.
Am Ende war es müde,
und konnte nicht mehr weitergeh’n.
Als Anas Zeit gekommen war,
blieb es für immer steh’n.
Es schneit, wie selten nur an diesem Ort, als schickte ihr zu Ehren aus ihrer Heimat der Winter einen Gruß,
damit den letzten Weg sie fände,
den ihre Seele gehen muss.
Unzählbar viele Wassertropfen,
zarte Geschöpfe, zu Eis gefroren, strömen aus den Wolkenporen.
Wie Tränen sind sie,
die nicht tropfen, sondern schweben – als sollte keine einzeln sich verheben am Gewicht, das sie zu tragen hat,
und keine Träne je allein versiegen,
weil sie zuviel zu klagen hat.
Im Wolkennebel
finden sie zusammen
zu großen weißen Flocken,
weiß – wie Anas Haar.
Gleitend durch die Winterluft
streben sie zur Erde
sanft – wie Ana war.
Der Blick aus ihren schönen Augen,
so wissend und so klar …
Darin tief eingewoben Anas Liebe
ist noch immer da.
Als Spur gelegt in unsre Herzen und aufbewahrt in der Unendlichkeit
ist sie uns ein Vermächtnis
jenseits von Raum und Zeit…